Tina Küenzi

Monatsschnipsel Schweizer Illustratorin
1.5.2019

Tina Küenzi

«Warum sind die Bilder im Buch plötzlich so flach?»
Erfahrungen mit der Collage-Technik

Zugegeben, der Name Tina Küenzi fällt einem bestimmt nicht sofort ein, wenn man eine Schweizer Illustratorin nennen müsste, denn sie hat erst im letzten Herbst ihr ersten Bilderbuch «Der Hase hält Winterschlaf» herausgegeben.
Einigen dürfte sie vielleicht aber doch schon bekannt sein, denn sie kreiert zusammen mit ihrer Schwester Sasha Küenzi seit Jahren erfolgreich Postkarten unter dem Label «Atelierküenzi».


Einmal ein Bilderbuch zu illustrieren war schon lange ein grosser Wunsch von ihr, letzten Herbst nun ging er endlich in Erfüllung. Entstanden ist ein Buch mit einer sehr aufwendigen, unkonventionellen Illustrationstechnik, der Collage-Technik. Alle Bilder sind in Kleinstarbeit geklebt worden, der grösste Teil des Materials besteht aus Schnipseln aus alten Zeitschriften, Schmuck- oder farbigem Zeichenpapier. Nur ganz wenig wurde dann von Hand noch ergänzt.
Im fertigen Bilderbuch ist zwar die Technik noch zu erkennen, wenn man genauer hinschaut, doch der ganze Aufwand, der hinter jedem Bild steckt, ist erst so richtig ersichtlich, wenn man die Originale vor sich hat.
Ich hatte das grosse Glück, das Buch zusammen mit Tina Küenzi zu realisieren und durfte dann auch ein mehrwöchiges Literaturprojekt an einer Zürcher Schule damit durchführen, mit sieben Klassen des 1. Zyklus.
Den Fokus habe ich dabei auf das Buch als Objekt gerichtet und mit den Kindern auch ausführlich über verschiedene Illustrationsarten gesprochen.
Es war faszinierend zu sehen, wie die SuS auf die Originalillustrationen von Tina Küenzi reagiert haben: ungläubiges Staunen darüber, dass zum Teil winzige Schnipsel (zum Beispiel die Blätter eines Baumes) alle einzeln aufgeklebt worden sind oder aus wie viel verschiedenartigen Papierarten die Bilder zusammen gesetzt sind.
Was für die Kinder bis am Schluss des Projekts magisch war: dass die Bilder im Buch plötzlich ganz ‘flach’ sind und von der Dreidimensionalität der Originale nichts mehr zu sehen ist! Immer wieder konnte ich sie dabei beobachten, wie sie während des Unterrichts die Originale anfassten, um das Ergebnis mit der Haptik der Bilder im Buch zu verlgeichen!



Natürlich durften die Kinder auch selbst aktiv werden und die Technik ausprobieren: jedes Kind erhielt eine eigene Buchschatzkiste und durfte sie mit Collage-Technik verzieren.


Nach einer kurzen Phase der Verunsicherung (Darf ich dieses Bild wirklich einfach über das andere kleben? Aber dann sieht man ja gar nicht mehr alles!) blühten die SuS richtig auf! Sie liebten es, alte Zeitschriften nach passenden Motiven zu durchforsten, alte Poster oder Geschenkpapier zu zerschnipseln oder gar getrocknete Blätter und Tapetenreste zu verarbeiten.


Wir verbrachten wunderbar kreative Unterrichtsstunden zusammen und ich konnte den Kindern mal über einen ganz anderen Weg den Zugang zu einem Buch bereiten!


Viel Spass beim Schnipseln!
Marion Arnold