Fliegende Schere

Monatsschnipsel Farbe
1.2.2021

Fliegende Schere

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Monsieur Matisse und seine fliegende Schere, Annemarie van Haeringen Verlag Freies Geistesleben, 2015, ISBN 978-3-7725-2769-2


Beim Thema Farben kommt mir neben dem beschreiben von Gefühlen sofort der Begriff «Kunst» in den Sinn. Ich habe während meiner Ausbildung zur Leseanimatorin SIKJM das Buch Monsieur Matisse von Annemarie van Haeringen kennengelernt. Seit in unserer Stube eine Kopie eines Bildes von Henri Matisse hängt, bin ich von diesen farbigen Scherenschnitten fasziniert. Das Buch von Annemarie van Haeringen erzählt anhand von Bildern und einfachen Texten die Zeit der schweren Erkrankung des Künstlers in den 40er Jahren.


Anfangs malte Monsieur Matisse wie ein wilder auf grosse Leinwände, dann wurde er von einer schlimmen Krankheit ergriffen. Im Spital ans Bett gefesselt, malte er erst seine weisse Bettdecke an und versuchte dann mit Hilfe einer langen Stange die Decke farbig zu machen. Da ihm auf diese Weise aber die frische Narbe am Bauch schmerzte, griff er zu Schere und Papier. Er schnitt eine Schwalbe aus, seine Assistentin heftete diese an die Wand und Matisse meinte, Scherenschnitte seien ja wie Zeichnen und Malen in einem. Wieder zu Hause, schneidet er alle schönen Erinnerungen aus seinen Reisen aus: Pflanzen, Blumen, den Tang und die Algen, die Schwämme, die Vögel und die Frauen. Monsieur Matisse jongliert endlos mit Formen und Farben, bis er zufrieden ist. «Das ist Bildhauerei direkt in Farbe! Genau danach habe ich mein ganzes Leben lang gesucht!»

Ideen zur Leseanimation
Um auf das Thema Farben einzustimmen, singen wir einige Male den Refrain des Liedes «Mini Farb und dini». Dabei machen wir die Bewegungen mit. Da ich dieses Lied als Kind so gernhatte, weckt es in mir schöne Erinnerungen und ich bringe es, sobald es ein bisschen um Farbe geht. 
Mini Farb und dini, das git zäme zwee,
wäred’s drü, vier, fünf, sächs, siebe,
wo gärn wettet zämebliibe,
git’s en Rägeboge, wo sich laht lah gseh,
git’s en Rägeboge, wo sich cha lah gseh.
Text und Melodie von Peter Rüegger

Ich klappe die erste Buchseite auf und blase meine ausgeschnittenen Formen heraus.


Jetzt liegt alles zerstreut auf dem Boden und ich frage die Kinder und Erwachsenen, was sie sehen. Herze? Korallen? Finger? Büsche? Wir diskutieren über verschiedene Farben und was es sonst noch in rot, grün, gelb oder blau gibt und wie es wohl wäre, wenn der Himmel grün wäre und die Bäume blau? Farbideen werden gesammelt, die Fantasie freigelassen.

Bevor es mit der zweiten Seite weiter geht, zeige ich drei blaue Scherenschnitte und halte sie jeweils in verschiedene Richtungen hoch. Was seht ihr?

Nun sieht man Monsieur Matisse mit… ja mit was denn? 
 

Ich erzähle das Buch dialogisch und nehme immer wieder Bezug zur direkten Umwelt der Kinder. Wie z.B. «Was könnte gegen Bauchschmerzen helfen?» «Was könnte man anstellen, damit das Zimmer nicht mehr so weiss ist?» «Welche Erinnerungen würdet ihr ausschneiden?»
Zwischendurch als Auflockerung baue ich folgende Vers ein:
Rot, Brot,
gälb, grüe,
blau, schlau,
genau!

Dabei klatschen, stampfen, oder einander an den Schultern halten und im Rhythmus umhergehen, Instrumente verteilen, leise, laut, schnell, langsam, und immer unbedingt Ideen der Kinder miteinbeziehen, da kommen immer mal wieder ganz tolle/lustige/schräge/unkonventionelle Inputs.

Am Schluss der Geschichte machen wir zusammen einen Kunstwerk Vers:
Rot, grüä, gääl und blau     im Rhythmus klatschen
Malä chani au     mit imaginärem Pinsel gross in die Luft malen
Rot, grüä, gääl und blau     im Rhythmus klatschen
Schniidä chani au     mit Fingerschere schneiden
Rot, grüä, gääl, blau     im Rhythmus klatschen
Chläbä chani au     viiiel imaginärer Leim, grosse Bewegungen
Jetzt isch mis Bild da     bei „jetzt“ aufstampfen, bei „da“ mit flachen Händen das „Bild“ zeigen
Chum mir luegets zäme aa     „Bilder“ einander zeigen

Als kleine Bastelarbeit werden farbige Papiere gerissen, grössere Kinder können natürlich auch Formen mit der Schere ausschneiden. Diese Schnipsel werden auf ein Postkartengrosses Papier geleimt, jüngeren Besuchern kann man auch selbstklebendes Papier anbieten, welches zum Haften nur noch angefeuchtet werden muss. Selbstverständlich dürfen auch die Begleitpersonen kleine Kunstwerke schaffen!

Wenn man sich farbspritzsicher einrichten kann, darf natürlich eine schneeweisse Decke bemalt werden, was für eine Freude!
Und/oder jedes Kind nimmt ein Ausmalbild mit nach Hause und macht sich sein eigenes weisses Zimmer bunt.

Farbenfrohes Vergnügen wünscht Natalie River