Wenn Farbstifte Ferien machen!

Monatsschnipsel Farbe
1.7.2021

Wenn Farbstifte Ferien machen!


«Die Heimkehr der Farben» von Drew Daywalt und Oliver Jeffers
Nord-Süd-Verlag 2018, ISBN: 978-3-314-10436-7

Wer kennt das nicht: Kaum hat man eine neue Farbstiftschachtel zum ersten Mal gebraucht, schon fehlen beim Einräumen die ersten Stifte. «Wohin verschwinden die nur alle?», fragt man sich da manchmal. Und was passiert eigentlich mit all diesen verlorenen, liegen gelassenen und vergessenen Stiften?Die Antwort auf diese Frage erhält man im farbenfrohen und umwerfend komischen Bilderbuch von Drew Daywalt und Oliver Jeffers, denen schon mit dem ersten Band, «Der Streik der Farben» ein Meisterwerk gelungen ist. Duncan, der Junge, der in jeder freien Minute malt, erhält eines Tages einen ganzen Stapel Postkarten, adressiert an ihn persönlich. Wer ihm wohl da geschrieben hat? Nein, es ist nicht etwa seine Oma, sein Onkel oder ein Freund, sondern- sein rostbrauner Farbstift! Den hat Duncan vor einiger Zeit (vor ziemlich langer Zeit, ehrlich gesagt) einfach auf dem Sofa liegen lassen. Und als wäre das nicht schon genug der Nachlässigkeit, hat sich kurz darauf Duncans Papa auf den Stift gesetzt, so dass er zerbrach und nur noch mit einer Büroklammer geflickt und gerettet werden konnte. Nun fühlt er sich langsam wieder gesund und würde gerne zu Duncan zurückkehren. Weil er sich aber nicht sicher ist, ob der Junge sich überhaupt an ihn erinnert, hat er ihm sicherheitshalber eine Karte geschrieben.


Auch die zweite Postkarte stammt von einem Farbstift, dem ziemlich beleidigten Neonrot. Mit diesem hatte Duncan in den Ferien einen tollen Sonnenbrand gemalt und ihn dann einfach neben dem Pool verloren. Und das Schlimmste: Er hat es nicht einmal gemerkt!
Also beschliesst der neonrote Stift, sich zu Fuss auf die Heimreise zu machen und sich dabei noch ein bisschen etwas von der Welt anzuschauen.


Ganz anders geht es dem erbsengrünen Stift: der kehrt nicht aus den Ferien zurück, im Gegenteil: Er fühlt sich ungeliebt und vernachlässigt, weil er nie gebraucht wird. Wer möchte schon mit einem erbsengrünen Stift malen? Kein Kind mag Erbsen!
Deshalb beschliesst der Stift, abzuhauen und sich die Welt anzuschauen- und zwar mit einem neuen Namen.


Auf jeder Doppelseite kommt eine andere Farbe zu Wort, manche schreiben auch mehrere Karten aus aller Herren Länder. Nicht nur die Illustrationen sind vielfältig und originell, auch die Texte bringen Kinder und Erwachsene zum Schmunzeln und Lachen. Sie bieten zudem eine wunderbare Grundlage für vielfältige Erzähl– und Gesprächsanlässe.
Ein paar davon habe ich für euch gesammelt und beschrieben, zudem gibt es zwei Inputs für kreative Anschlusshandlungen.

Gesprächsanlässe zum Buch «Die Heimkehr der Farben»
Einstieg/Hinleitung zum Buch:
Zuerst lege ich jeweils eine Schachtel Farb- oder andere Stifte auf dem Boden aus.
Jedes Kind darf seine Lieblingsfarbe rausnehmen und erzählen, wieso es die Farbe am liebsten mag und was es mit dieser Farbe alles malt.
Im Anschluss sprechen wir auch darüber, welche Farben die Kinder überhaupt nicht mögen oder welche sie ganz selten brauchen.
Wenn wir genügend Zeit haben, lege ich auch Malvorlagen von Tieren oder Gegenständen aus und wir unterhalten uns darüber, was wir mit welcher Farbe ausmalen würden.

Neugier wecken:
Nach dem Einstiegsgespräch über Farben zeige ich den Kindern einen Stapel mit alten Postkarten, die ich im Brockenhaus gekauft habe. Ich stelle ihnen Duncan, den Jungen, der so gerne malt vor und erzähle, dass er eines Tages eben diesen Stapel Postkarten bekommen hat.
Gemeinsam schauen wir uns die Vorderseite der Postkarten an, überlegen, aus welchen Ländern sie stammen und wer sie geschrieben haben könnte.

Erzählen:
Nachdem nun die Neugier geweckt ist, lese ich die erste Postkarte vor. Den Text kopiere ich vorgängig aus dem Buch raus und klebe ihn auf die Postkarte.
Natürlich ist das Erstaunen über den Absender bei den Kindern gross. Kann ein Stift selbst eine Karte schreiben? Und was hat der rostbraune Stift zwei Jahre lang gemacht? Wo ist er jetzt?
Soll Duncan ihn holen kommen und wenn ja, wo soll er suchen? Wo würden die Kinder suchen?
Nach und nach werden die Postkarten nun vorgelesen und jede einzelne davon bietet einen neuen Gesprächsanlass.
Beim erbsengrünen Stift überlegen wir zum Beispiel gemeinsam, ob man ihm auch einen anderen Namen geben könnte, ob er etwas Grünes malen könnte, was Kinder gerne mögen, so dass er nicht abhauen muss von Zuhause.
Oder ich lasse mir von den Kindern erzählen, was sie mit dem neonroten Stift malen würden. Einen Sonnenbrand wie Duncan? Einen Flamingo oder vielleicht einen Schwimmreif?
Wenn Duncan am Schluss des Buches ganz traurig wird, weil er merkt, wie viele Stifte er schon verloren hat, überlegen wir gemeinsam, wie Duncan sie zurückholen, wie er es anstellen könnte, dass sie von nun an bei ihm bleiben und nicht mehr verreisen.
Ob die Kinder wohl auf dieselbe Idee kommen wie Duncan?
Dieser bastelt nämlich ein wunderbares Haus für seine Farben; eines, in dem sich alle wohlfühlen und wo es für alle einen Platz hat!

Kreativ-Idee:
Wenn genügend Zeit vorhanden ist, können die Kinder im Anschluss an die Geschichtenzeit aus alten, verschieden grossen Kartonschachteln ein ‘Haus’ für ihre eigenen Stifte basteln. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, zum Verzieren nimmt man einfach, was gerade da ist.
Als weitere kreative Aktivität kann man die Kinder selbst eine Karte schreiben (oder zeichnen) lassen.
Dazu habe ich auch einen ganzen Stapel alte Postkarten aus dem Brockenhaus dabei und lege sie auf dem Boden aus. (solche, die nicht beschrieben sind). Jedes Kind wählt sich eine Karte aus und zeichnet hinten drauf ein Bild mit seinen Lieblingsfarben. Natürlich können diese Karten dann auch verschickt werden- als originelle Variante zu langweiligen Ferienpostkarten.


Und für alle, die noch immer nicht genug von Farben haben, gibt es zum Schluss noch eine Ausmalaufgabe: dazu druckt man aus dem Internet eine Ausmalvorlage aus; es gibt sie zu verschiedenen Themen und in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.
Die Aufgabe für die Kinder: alles ausmalen – und zwar mit den falschen Farben!
Elefanten dürfen also nicht grau sein, Wiesen nicht grün, Zitronen auf keinen Fall gelb und das Wasser alles andere als blau. Ganz schön schwierig!

Mit diesen Ideen wünsche ich euch nun einen wunderschönen Sommer und hoffe, ihr passt alle gut auf eure Stifte auf!

Herzlich, Marion Arnold